Kanzel
Georg Baumann (1610)

Barockkanzel von St. Jacobi Die Kanzel stand ursprünglich am dritten Pfeiler von Osten. Während des Krieges eingemauert, blieb sie erhalten und fand ihren Platz am zweiten Pfeiler, in größerer Nähe zum Altar­raum. Die Figurenreliefs des Kanzelkorbs und der ornamen­tale Schmuck sind sehr qualitätsvoll und fein gearbeitet. Der Steinbildhauer Georg Baumann führte eine der renommiertes­ten Hamburger Werkstätten des 17. Jahrhun­derts. Aus ver­schiedenfarbigem Marmor fertigte Baumann Kanzelkorb, Portal und Treppenaufgang, der sich um den Pfeiler schwingt. Gegliedert wird die Brüstung von Säulenpaaren – reich mit Blattwerk, Fruchtgirlanden und vergoldeten Kapitellen orna­mentiert, an den Säulensockeln geflügelte Engelsköpfe.
Zwi­schen den Säulen eingelassen sind fünf rundbogige Felder mit figürlichen Alabasterreliefs, deren Bilder, auf den Hauptaltar bezogen, von Westen nach Osten zu lesen sind: Verkündigung an Maria – Anbetung der Hirten – Kreuzigung – Auferstehung und Himmelfahrt. Die vier Evangelisten mit ihren Symbolen begleiten den Trep­pen­aufgang: unten Johannes mit dem Adler, aufsteigend Lu­kas mit Stier, Markus mit Löwe und Matthäus mit dem Engel - dort die Signatur des Bildhauers: GEÖRG BAUMAN/F. ET. INVENTOR. Alabasterrelief der Kanzel mit Geburt Christi
Der Aufstieg zur Kanzel führt durch eine reiche Portalarchitek­tur: korinthische Säulen tragen den Aufbau über der Kanzeltür. Petrus und Paulus rahmen das Relief mit der Darstellung des Pfingstwunders, welches die Erzählungen der Brüstungsreliefs fortsetzt. Auf dem bekrönenden Volutengiebel steht ganz zu­oberst die Figur des Jacobus in Pilgertracht. Die Kanzeltür selbst zeigt geschnitztes Dekor. Den Mittelpunkt bildet die Gestalt der Fides – Allegorie des christlichen Glaubens – ausgestattet mit Kreuz und Kelch.
Der Kanzeldeckel – bis 1614 vom Bildschnitzer Johann Moltzan ausgeführt – besteht aus sechs Voluten, darauf sitzend nackte Putten. Bekrönt wird der Aufsatz von einer zwischen silbernen Wolken und goldenen Blitzbündeln stehenden Engelsfigur. Die­se wendet dem Betrachter zwei Tafeln mit den zehn Gebo­ten zu, in der Linken, zum Altar gerichtet, eine auf­geschlagene Bibel mit Johannes 3,16 „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er sei­nen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.” So sind um die Kanzel inhaltliche Linien gespannt: von der Ver­kün­digung an Maria („Der Heilige Geist wird über dich kom­men”) zur Ausgießung des Geistes an Pfingsten, und von der Figur des aufwärts blickenden Johannes zum bekrönen­den Engel, der den Text aus dem Johannes-Evangelium zum Pfingst­tag verkündet. Krone der Kanzel von St. Jacobi mit Johannes 3, Vers 16